Mit einem Klick auf "Weiterlesen" erfahren Sie, wann und wie die Freiwillige Feuerwehr Schramberg gegründet wurde und welche Schwierigkeiten und Gegebenheiten die ersten Schramberger Wehrmänner in den ersten Jahren bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges hatten. Auf Grund eines Beschlusses der Bürgerlichen Kollegien rief Stadtschultheiß Waller 1869 die männliche Bevölkerung zur Gründung einer Feuerwehr auf. Daraufhin bekundeten sämtliche Junge Bürger ihre Bereitschaft. Das damalige Verzeichnis der feuerwehrpflichtigen Einwohner, nämlich alle Männer zwischen 23 und 58 Jahren, wies 293 Personen auf. Sie alle meldeten sich ausnahmslos zum Dienst in der neuen Wehr. Ihr Organisator und Förderer wurde der Zugfedernfabrikant Thoman, der von der Augsburger Feuerwehr einige Erfahrung mitbrachte.

Gründungsversammlung am 06. Juni 1869

Die Gründungsversammlung fand am 06. Juni 1869 im Gasthaus "Zum Engel" statt. Die annähernd 300 Freiwilligen wurden militärisch in vier Kompanien mit je 2 Rotten eingeteilt.
Am Abend des Gründungstages gab es bereits den ersten Alarm. Die Feuerwehrleute eilten pflichteifrigst zum Antreteplatz vor der alten Kirche und machten sich bereit zum Einsatz.
Doch wo brannte es? Nirgends Rauch oder Flammen! Erst als der Hornist Ferdinand Rapp vom Alarmblasen zurückkam, wurde klar, wo es "brannte": Er hatte nur zum "Löschen" des Durstes mit gespendetem Bier alarmieren wollen.

Noch im Gründungsjahr wurde die Ausrüstung ergänzt und modernisiert. Bei der Firma Kurz in Stuttgart wurde ein Hydrophor bestellt, das der Fabrikant höchstpersönlich in Schramberg übergab. Er war vom "Feuereifer" der Wehrmänner so angetan, dass er bei der Feier in der "Conditorei" ein Fass Bier spendierte. Das neue Hydrophor war übrigens Tagesgespräch im "Städtle"; man wiegte sich in der Hoffnung, damit allen Feuergefahren trotzen zu können.

Da die neue Wehr nach Vorbild des Militärs organisiert war, durfte auch die Uniformierung nicht nachstehen. Das erhöhte nicht nur ihre Attraktivität, sondern war auch zweckmäßig. Die Uniform bestand aus einer weißen Drillichjacke mit roter Paspellierung des Kragens, langen Stiefeln und einem Helm. Die Wahl der Hose blieb jedem einzelnen überlassen.

Nun galt es, die Feuerwehrmänner für den Ernstfall zu schulen. Auf den freien Plätzen wurde exerziert und an den Geräten geübt. Es herrschte strenge Disziplin: Anwesenheitslisten wurden geführt - wer ohne wichtigen Grund fehlte, wurde mit einer Geldstrafe belegt.

Landesinspektor lobt stramme Organisation und bemängelt Ausrüstung

1877 visitierte der Landesinspektor für das Feuerlöschwesen die Schramberger Feuerwehr. In seinem Bericht lobte er "die aus 180 Mann bestehende, sehr gut und stramm organisierte Feuerwehr". Er bemängelte jedoch die angesichts der "Größe der mit Fabriken versehenen Stadt" schlechte Geräteausstattung und empfahl daher dringend die Anschaffung eines weiteren Hydrophors. Um den Mangel an Löschwasser an der Steige vorzubeugen, schlug er den Bau eines Reservoirs vor, und zur Verbesserung der Ausbildung der Wehrmänner regte er den Bau eines Steigerhauses auf dem Turnplatz an, das "sogleich als Schlauchtrockenraum und zur Unterbringung der Turngeräte dienen könnte". Doch der Gemeinderat ignorierte zunächst, wohl aus finanziellen Gründen, diese Empfehlungen.

1879 wurde in schlichtem Rahmen im "Schützen" das 10jährige Jubiläum gefeiert. Dabei trat bereits eine eigene Feuerwehrmusik auf, deren Dirigent bald darauf Hornist Gozian wurde.

Umwandlung in eine Pflichtfeuerwehr 

Aufgrund des Gesetzes zur Feuerwehrdienstpflicht wurde 1882 die Freiwillige Feuerwehr in eine Pflichtfeuerwehr umgewandelt. An der Organisation einschließlich der Führungsspitze änderte sich jedoch nichts. Die Ausrüstung erfuhr dagegen 1883 mit der Anschaffung eines zweiten Hydrophors, das zum Modernsten zählte, was es damals gab, eine entscheidende Verbesserung. Dazu kam eine dreiteilige, auf 16m ausgelegte Schiebeleiter der Firma Magirus aus Ulm, die vom damaligen Juniorchef persönlich übergeben wurde.

Als ab 1894 im Stadtgebiet mit der neuen Wasserleitung 76 Hydranten zur Verfügung standen, benötigte man die alten Spritzen nicht mehr. Statt dessen musste sich die Wehr den neuen Gegebenheiten anpassen. Das geschah durch die Aufstellung eines Hydrantenzuges, der der 1. Kompanie angegliedert wurde.

Auf der Grundlage der neuen Landesfeuerlöschordnung erließ die Stadt 1893 eine "Lokalfeuerlöschordnung". Danach war die Feuerwehr auch weiter eine Pflichtwehr (§3), zu deren Dienst mit Ausnahme von Ärzten, Apotheker, Landjägern, Steuerwächter, Ortsgeistlichen und Lehrern alle Männer vom 21. bis zum 50. Lebensjahr verpflichtet waren. Des weiteren wurde bestimmt, dass die Feuerwehr militärisch zu organisieren sei (§6). Da das auch bisher schon der Fall war, konnte sowohl die Einteilung der Mannschaften, als auch die Führungsstruktur beibehalten werden. Um diese auch augenfällig zu machen, hatte der Kommandant einen weißen Rossharbusch auf dem Helm und drei goldene Sterne am Rockkragen, der 1. Adjutant einen weiß-roten und zwei Sterne, der 2. Adjutant einen rot-schwarzen und ebenfalls zwei Sterne. Die Zugehörigkeit zu den einzelnen Trupps, etwa zu den beiden Hydrophoren oder den Spritzen, wurde durch verschiedene Armbänder sichtbar gemacht (§6). Unter den "Vorschriften für den Fall des Ausbruchs eines Brandes..." sind die "Alarmzeichen" (§17) besonders erwähnenswert: "Wenn es in der Stadt brennt, wird von den Meßnern der zwei hiesigen Kirchen ... mit allen Glocken, sowie mit der so genannten Feuerglocke auf dem Rathaus geläutet und die Feuerwehr mit dem Hornsignal, bzw. der Trommel alarmiert." Falls Hilfe von auswärts nötig wurde, musste sie durch einen Feuerreiter (§18) angefordert werden.

Die Gesamtstärke der Wehr wurde auf mindestens 540 Mann festgesetzt. Sie waren in einem Verzeichnis, das stets auf dem neuesten Stand zu sein hatte, genauestens erfasst. Über Versäumnisse bei den vorgeschriebenen 6 jährlichen Übungen und bei Brandeinsätzen wurde sorgfältig Buch geführt.
Zur Überwachung des gesamten örtlichen Feuerlöschwesens war ein Verwaltungsrat (§8) zu schaffen, dem neben dem Ortsvorsteher als Vorstand Mitglieder des Gemeinderats und der Feuerwehrführung angehörten. 

25jähriges Jubiläum

Im Oktober 1894 feierte die Feuerwehr ihr 25jähriges Stiftungsfest. 17 auswärtige Wehren mit zusammen 500 Mann kamen dazu nach Schramberg. Bei einer Großübung am "Mohren" bewies die Schramberger Wehr ihr Können. Nach dem Festessen in der "Post" bewegte sich ein großer Festzug zu der 1886 erbauten Turnhalle. Nach den obligatorischen Begrüßungs- und Festreden überreichte Stadtschultheiß Holzwarth die Verdienstmedaille für 25jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr an C.H. Pfundstein, J. Grüner und W. Trautwein. Die Kommandanten Otto Teufel und Georg Merz wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Kommando der Feuerwe...
"Spritzenhäusle" in ...
Schauübung beim Hote...
Motorspritze mit Pfe...

Rückführung in freiwillige Feuerwehr

Dank der raschen Industrialisierung nahm die Bevölkerung stark zu und damit auch die Zahl der feuerwehrpflichtigen Männer. Man konnte daher getrost das Dienstpflichtalter auf 40 Jahre herabsetzen. Aber die Bevölkerung war auch mobiler geworden, was die Organisation einer Pflichtfeuerwehr erschwerte. Der Gemeinderat beschloß daher 1899, diese wieder in eine freiwillige Feuerwehr umzuwandeln. 

Die jungen Männer wurden zum Beitritt in selbige aufgerufen. Spontan meldeten sich 200 Freiwillige. Alle übrigen Männer zwischen 20 und 40 Jahren hatten einen "Enthaltungsbeitrag" von 2 Mark an die Stadtkasse zu zahlen.
Am 13. Mai traten der Rest der Pflichtwehr und die Freiwilligen zur Neuorganisation zusammen. Es wurden neben dem Stab zwei Kompanien zu drei, bzw. vier Zügen gebildet.
Während sich die Aktivitäten der Wehr bisher weitestgehend auf Übungen und Einsätze beschränkt hatten, wurde, um den Zusammenhalt zu stärken, nun auch großer Wert auf die Pflege der Geselligkeit gelegt.

Erwähnenswert ist ferner, dass die Firma Gebrüder Junghans im Jahre 1900 eine eigene Werksfeuerwehr gründete. Diese war bestens ausgerüstet und stand, wenn erforderlich, der städtischen Feuerwehr stets hilfsbereit zur Seite, wie das auch umgekehrt der Fall war. 

Im Jahre 1901 musste sich die neue Freiwillige Feuerwehr bei mehreren großen und vielen kleinen Bränden immer wieder bewähren, so etwa bei der HAU, der Strohutfabrik Wolber, in den Wäldern am Schloßberg - und durch Funkenflug von Lokomotiven bedingt - im unteren Schiltachtal. Auch beim Großbrand in Evangelisch Tennenbronn, bei dem 24 Häuser niederbrannten, war sie mit 71 Mann im Einsatz um ein Übergreifen des Feuers auf Katholisch Tennenbronn zu verhindern. Die Schramberger verzichteten damals zu Gunsten der Betroffenen auf Entschädigung.

Nach Ablauf der ersten fünfjährigen Dienstperiode 1904 meldeten sich 60 Mann ab, die aber durch neue Freiwillige ersetzt werden konnten.
Das Kommando legte großen Wert darauf, den Kontakt mit den Wehren der näheren und weiteren Umgebung herzustellen und zu pflegen. So wurde nun jedes Jahr bis zum 1. Weltkrieg wenigstens ein Feuerwehrfest besucht, u.a. in Tuttlingen, Nagold, Sulz, Offenburg und Reutlingen.

Das Jahr 1909 erforderte erneut den Einsatz bei zwei Großbränden: Im Januar brannte das Hauptgebäude der Papierwarenfabrik Gustav Maier an der Schiltach, im Oktober die Möbelfabrik Moser im Höfle.
Da in diesem Jahr die zweite Dienstperiode endete, meldeten sich wiederum über 60 Mann ab, konnten jedoch, wie bereits fünf Jahre zuvor, durch neue Freiwillige ersetzt werden.

Im Jahre 1911 wurde ein "Bezirksfeuerlöschverband" gegründet, dem auch der Schramberger Kommandant als Ausschussmitglied angehörte. Aufgabe des Verbandes sollte es sein, die Kameradschaft unter den Feuerwehrmännern des Bezirks zu fördern.
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